Was BARF-Profile über Hundefütterung aussagen

Gastbeitrag

23. Aug. 2019 🞄 4 Minuten Lesezeit


Barf-Profile sind seit einigen Jahren in aller Munde. Es liegt daran, dass immer mehr Hundehalter dem Trend folgen, die Fütterung ihrer Hunde in die Hand zu nehmen. Sie füttern sie nach BARF oder Prey, oder kochen für sie. Kurzum: Sie wenden sich vom Fertigfutter ab. Grundsätzlich ist es sehr löblich. Gut gemeint bedeutet aber nicht zwangsläufig gut gemacht. In der Realität kommt es immer wieder zu abenteuerlichen Fütterungsformen, die weder gesund noch ausgewogen sind. So werden leider einige Hunde mit Mangelerscheinungen den Tierärzten vorgestellt, die dann die Hände über den Kopf schlagen und BARF oder selbst kochen fortan verteufeln.
Die Folge? Du wirst als Hundehalter vor dem angeblichen Risiko gewarnt, industrielles Futter aus dem Hundenapf zu verbannen. Fütterst du trotzdem frisch, dann wird dir ein BARF-Profil dringend ans Herz gelegt. 
(Ausnahme sind ausgewogene Fütterungspläne, z.B. von gut ausgebildeten Ernährungsberatern, oder korrekt berechnete Alleinfuttermittel wie 
BARF-In-One oder RAW Veterinary Diets Produkte - die Redaktion)

Treu schauender Hund

Aber was sind denn BARF-Profile?
Es sind Blut- und manchmal auch Kotuntersuchungen, die mit dem Ziel durchgeführt werden, eine Aussage über die Fütterung treffen zu können. Sie sollen also darüber Auskunft geben, ob dein Hund ausgewogen gefüttert wird.
Es gibt kein einheitliches BARF-Profil, jedes Labor kann die zu untersuchenden Werte nach eigenen Kriterien zusammenstellen. Die Bestimmung von Kalzium, Phosphat und Vitamin D ist grundsätzlich enthalten. Zusätzlich zu diesen Kernwerten werden z.B. Vitamin A, Jod, Kupfer, Zink, Leber-, Nieren- oder Schilddrüsenwerte in verschiedenen Kombinationen bestimmt. Dazu kommt eventuell noch eine Untersuchung auf Salmonellen und Darmparasiten. Und manchmal noch ein sog. kleines Blutbild. Es ist also nicht leicht, sich für das richtige BARF-Profil zu entscheiden.
Aber gibt es denn überhaupt ein richtig gutes BARF-Profil?

BARF-Profile: Sinn oder Unsinn? 
Ist es anhand dieser Untersuchungen möglich zu sagen, ob ein Hund ausreichend (bzw. nicht zu viel) Kalzium oder Vitamin A bekommt? Oder ob sein Jodbedarf gedeckt ist? Ob er gut mit Phosphor versorgt ist? BARF-Profile liefern dir kaum aussagekräftige Informationen. Schauen wir uns die Blutwerte der meisten BARF-Profile genauer an!

# 1 – Calcium
Der Organismus verfügt über sehr feine Regulationsmechanismen, die den Calcium-Spiegel im Blut konstant halten. Das ist sehr wichtig, weil Calcium für gut funktionierende Nerven- und Muskelzellen eine bedeutende Rolle spielt. Wird dein Hund unterversorgt, dann wird Calcium aus der Knochensubstanz mobilisiert. Bekommt er zu viel davon, wird die Freisetzung aus den Knochen automatisch gehemmt. So bleibt der Spiegel sowohl bei Unter- als auch bei Überversorgung in der Norm und der Wert lässt keine eindeutige Aussage bezüglich der Fütterung zu. Erst eine lang anhaltende, massive Fehlversorgung wäre anhand der Befunde feststellbar. Darüber hinaus können bestimmte Erkrankungen wie Nierenversagen oder Malassimilation (also eine verminderte Nährstoffausnutzung) niedrige Calciumwerte verursachen.
# 2 – Phosphat
Phosphat wird vom Organismus nicht so streng reguliert wie Calcium. Da könnten theoretisch zu hohe Werte auf eine übermäßige Fütterung hindeuten, insbesondere wenn sehr große Mengen Fleisch gefüttert werden. Allerdings hängen Schwankungen des Phosphatwerts von verschiedenen Faktoren wie Krankheiten (Nierenerkrankung, Durchfall, Erbrechen...) oder Medikamenten ab. Sie lassen also nicht zwangsläufig auf eine falsche Fütterung schließen.
#3 – Kupfer
Da Kupfer in der Leber gespeichert wird, kann der Spiegel im Blut nichts über die Kupferreserven im Organismus zeigen. Auch hängt die Kupfer-Aufnahme vom der Calcium- und/oder Zinkversorgung ab. Ist diese zu hoch, sinkt der Kupferspiegel. Der Wert zeigt dir also nicht, ob die Kupferzufuhr über das Futter ausreichend ist.
#4 – Zink
Zink wird in den Knochen gespeichert, weshalb auch hier der Gehalt im Blut dir keine große Hilfe bei der Beurteilung der Fütterung sein wird. Darüber hinaus ist der Zinkgehalt sehr stark vom Zeitpunkt der Blutentnahme abhängig.
#5 – Vitamin A
Wie beim Zink oder Kupfer, müsstest du wissen, wie viel Vitamin A sich im Speicher (hier: in der Leber) befindet. Auf diese Frage kann dir die Blutuntersuchung keine zuverlässige Antwort geben. 
#6 – Vitamin D
Vitamin D ist in den verschiedenen Fettspeichern des Organismus gespeichert und wird wie Calcium oder Phosphat gut reguliert, so dass der Spiegel – auch bei Über- oder Unterversorgung sehr wenig schwanken kann. 

Du siehst, BARF-Profile helfen dir nicht wirklich dabei, mögliche Fütterungsfehler zu erkennen. Einerseits bedeuten Blutwerte im Referenzbereich nicht unbedingt, dass dein Hund ausgewogen gefüttert wird. Andererseits ist die Ursache für veränderte Werte nicht nur im Napf zu suchen. Auch Erkrankungen oder Medikamente können zu auffälligen Befunden führen. Deshalb sollten nicht die Blutwerte, sondern der Fütterungsplan überprüft werden.

Vielen Dank für den Gastbeitrag von:
Anne Sasson Tierheilpraktikerin, Ernährungsberaterin, Online-Dozentin


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